Kulturerhaltprojekt „Wir räde“ - Wir sprechen – Video- und Fotodokumentation der plautdietschen Sprache der Mennoniten in Mexiko“

Sprache und Lebensweisen als immaterielle Kulturgüter für die Nachwelt zu erhalten war das Ziel des Kulturerhaltprojektes „’Wir räde - Wir sprechen’ – Video- und Fotodokumentation der plautdietschen Sprache der Mennoniten in Mexiko“, das am 08.05.2013 im Mennoniten-Museum von Chihuahua erstmals der mexikanischen Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Vor ca. 90 Jahren gründeten 7.000 Mennoniten deutscher und schweizer Herkunft im Norden Mexikos verschiedene mennonitische Gemeinden („Kolonien“) konservativer und liberalerer Ausrichtung; mittlerweile ist die Zahl der Mennoniten auf 80.000 angewachsen. Während alle Gruppierungen ähnlichen Glaubensgrundsätzen folgen, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensstile, die von Ablehnung jeglicher Modernität und Komfort sowie dem Tragen traditioneller Tracht bis zur Annahme moderner Technologie, Fahrzeuge und Elektrizität reicht. Die „plautdietsche“ Sprache, sehr ähnlich der ostpreussischen, ist Alltagssprache; Hochdeutsch wird im Gottesdienst gesprochen und in der Schule gelehrt.

Für das Kulturerhaltprojekt unternahm das Produktionsteam um die Regisseurin Mercedes Moncada und die Fotografin Eunice Adorno zwei Reisen zu den Mennonitengemeinden der Kolonie Manitoba in der Nähe der Stadt Cuauhtémoc/Chihuahua im Norden von Mexiko. Die erste Reise im April 2012 wurde für eine erste Sichtung der Örtlichkeiten und das Kennenlernen der Mennonitengemeinde genutzt, die zweite Reise im Sommer 2012 für den eigentlichen Dreh des Dokumentarfilms und den fotografischen Teil des Projekts.

Dabei konnte das Team Kontakt zu allen Gruppierungen innerhalb der Gemeinde herstellen und sie für seine Arbeit gewinnen. Hierbei handelt es sich um die sehr traditionellen Altkolonier, die sogenannte Kleine Gemeinde und die liberalere Konferenzgemeinde, wobei jede Gruppe für sich Unterschiede in der Lebensweise und des Sprachgebrauchs aufweist.

Als Ergebnis der beiden Reisen lagen dem Projektträger ca. 22 Stunden Filmmaterial (Interviews, Panoramaaufnahmen, Einblicke in das Leben der Mennoniten), Audioaufnahmen (Musik und religiöse Gesänge) sowie eine Auswahl von 200 Fotos vor. Die Mitglieder der einzelnen Gemeinden zeigten sich sehr interessiert an dem Dokumentationsvorhaben und stellten bereitwillig Informationen, Printmaterial und persönliche Gegenstände wie Bibeln und Tagebücher zur Verfügung.

Aus den Aufnahmen konnte ein ca. 40-minütiger Dokumentarfilm (Originalton plautdietsch mit spanischen und englischen Untertiteln) sowie eine Fotoausstellung erstellt werden. Sowohl der Film als auch die Ausstellung ist unter anderem im Mennonitenmuseum der Stadt Cuauhtémoc zu sehen.