Walter Reuter

Am 4.1.1906 wird Walter Reuter in Berlin geboren. Er wächst in Berlin-Charlottenburg auf, beginnt als Jugendlicher eine Lehre als Chemiegraph und arbeitet später als Schauspieler und Tänzer. Autodidaktisch erlernt er das Fotografieren und beginnt seine Arbeit als Fotoreporter. Aufgrund seiner prekären Reportagen für die ‚Arbeiter-Illustrierte-Zeitung’ gerät er ins Visir der SA, die ihn verfolgte.

Reuter emigriert nach Frankreich, kämpft auf der Seite der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg und arbeitet dann als Fotoreporter im Dienst der demokratischen Regierung. Seine Aufnahmen gehen – oft ohne Namensnennung - um die Welt. Nach dem Bürgerkrieg flieht Reuter nach Frankreich, wo er mehrmals interniert wird, doch 1942 gelingt ihm die Flucht und er erreicht am 20. März mit seiner Familie das letzte Flüchtlingsschiff Richtung Mexiko.

Sein erstes Ziel ist das ihm zugewiesene Puebla am Fuße des Popocatépetl und des Iztaccihuatl. Da er dort jedoch keine Arbeit finden kann, macht er sich alleine auf in die nordwestlich gelegene Hauptstadt. Über den Dächern seiner hiesigen Wohnung entsteht Reuters erste Fotoserie „Los Techos de México“, mit der er das Stadtleben einfängt und die in der Zeitschrift ‚Nosotros’ veröffentlicht wird. Schnell wird er zu einem der profiliertesten Fotojournalisten des Landes, arbeitet für wichtige mexikanische Illustrierte und macht verschiedene Bilddokumentationen im Auftrag der Regierung.

Als gefragter Reporter fotografierte er nebenbei auch für europäische Zeitschriften. Motive waren ihm dabei sowohl deutsche Emigranten (wie z.B. Anna Seghers), als auch mexikanische Künstler (so z.B. Diego Rivera), für Fotos der indigenen Bevölkerung drang er bis in die entlegensten Gegenden vor. Noch im hohen Alter reist er in die entlegenen Bergregionen von Oaxaca, um den Stamm der Triques zu besuchen, mit dem ihn eine besondere Freundschaft verbindet.

In Mexiko trifft Reuter auf seine Kameraden aus der früheren spanischen Zeit, diese (Regisseure) ermutigen ihn zur Tätigkeit als Kameramann und Filmemacher. Erfolgreich dreht er verschiedene auch ausgezeichnete Filme und arbeitet zehn Jahre lang als Kameramann für die Wochenschau ‚Clasa y Cine Verdad’. Später kehrt er jedoch aus finanziellen Gründen zur reinen Fotografie zurück und widmet sich verstärkt den indigenen Völkern.

Walter Reuter stirbt am 20. März 2005 im Alter von 99 Jahren in Guernavaca. Reuter wurde mehrmals für seine fotografische und filmerische Leistung ausgezeichnet und ist Träger des Bundestverdienstkreuzes. In Erinnerung an sein Lebenswerk vergibt die Deutsche Botschaft in Zusammenarbeit mit diversen Stiftungen den "Walter Reuter Preis" an mexikanische Journalisten zur Förderung der journalistischen Arbeit über deutsch-mexikanische Beziehungen. Reuters fotografischer Nachlass wird derzeit im Auftrag des mexikanischen Staates aufgearbeitet.